Reims 2005 Oktober

Reisetagebuch

REIMS

 Jenny-Jinya Hefczyc
www.JeanneDarc.fr

Tag 3

Von Orleans nach Reims

„Leb wohl Orléans, du wunderschönste Stadt der Welt. Bis auf bald, bis nächstes Jahr, auf den Tag, an dem deinen Nationalstolz  Jeanne d'Arc, feierst.

 Und niemals werde ich deine Kirchen vergessen!

 

Auf dem Weg nach Reims

 

Genervt, unausgeschlafen und depressiv sitzen wir in unserem Auto, nein, in SEINEM Auto, und rattern da vor uns hin, auf einer überfüllten Autobahn.
Kein Mensch merkt wie das Autoradio läuft, weil mein Vater so laut flucht, dass Frankreich die „Scheiß-beschissene-Stadt" wie er es in seiner Wut nennt, nicht ausgeschildert hat.
Und wieder kreiseln wir im Kreisel von Paris.

Wir sind geschlagene 3 Stunden im Kreis gefahren, immer rund herum um Paris, und erst kurz vor Anschlag der vierten Stunde hat mein Vater auf mich gehört und ein paar Leute gefragt. Bis wir nach einer weiteren halben Stunde auf die Idee kamen mal in die zerknickte, Kaffeegetränkte Karte zu gucken.

Ich weiß nicht wie das passiert ist, aber plötzlich stand auf einem der Schilder „Reims" und wir sind dann endlich mal in die richtige Richtung gerattert, ja man konnte sogar wieder was vom Autoradio hören.

Dann folgten 3 Stunden weitere Fahrt richtung Reims.
Aber zwischendurch haben wir uns noch ein paar mal verfahren und mein Vater hatte keine Alternative mehr als Tankstellenwärter zu belästigen.
Unglaublich diese Leute.
"Wo wollen sie hin?! Nach Reims?! Die Stadt in der Jeanne dem König zur Krönung verhalf, in der meine Oma wohnt und ich früher zur Schule ging?! DIE Stadt, die noch 200 km von hier aus entfernt ist!? Nö, noch nie davon gehört."

Mittlerweile gehen meinem Vater die Schimpfwörter aus und wir fahren jetzt einfach mal just4fun irgendwo, irgendeine Straße runter und warten was kommt. Und was kommt? Reims!

Vergesst die Karten, vergesst die Schilder, vergesst vor allem die Tankstellenwärter, es lebe die Intuition der blanken Nerven!

Wir haben Reims also ziemlich spät an einem Sonntag erreicht, Grölend verschütten wir den letzten Rest Kaffee auf den restlichen 2 Karten und weil's so schön war, finden wir doch glatt keinen Parkplatz!

Das nahm noch mal 20 Minuten ein.

Als wir uns dann noch in der Innenstadt verliefen, platzte meinem Vater dann endgültig die Birne. Er laberte eine arme Frau mit Hund, mit seinem schlechten Englisch voll.

Die zeigte mit einem Finger bloß ängstlich schweigend in die Richtung in der wir seit einer halben Stunde entgegengesetzt liefen. Also den ganzen Weg noch mal zurück.
Und endlich! Da stand dann irgendwann endlich diese riesige Kathedrale, an der wir unseren letzten Film verschwendeten!!!
Neben der Kathedrale steht sogar noch ein weiteres Reiterstandbild der Jeanne d'Arc.

 Ein paar Hundert Fotos davon geschossen und mein Vater hat es dann irgendwann geschafft mich davor wegzuzerren.
Was dann kam, übertraf alles an wundervollen Innenräumen was ich in meinem bisherigen Leben überhaupt je gesehen habe. Die Kathedrale von Reims, was für ein Gebäude!

Da würde unsere kleine Dorfkapelle daheim sicher 20 mal reinpassen!

Fertig eingekauft lief ich (mit verfolgenden Blicken der Leute am Stand) ganz nach oben, ich hatte keine Ahnung wo Jeanne stand, aber irgendwas riss mich regelrecht in die scheinbar richtige Richtung. Und tatsächlich kann ich ganz am ende des Gebäudes, an der linken Seite, vor einer wundervollen Jeanne d'Arc Statue endlich in die erschöpften Knie sacken.

 


Ich glaube ich bin noch 30-45 Minuten vollkommen überwältigt vor dieser Ecke sitzen geblieben, ich glaube sogar das Jemand eine Zeitlang vor MIR stehen geblieben ist... um zu sehen ob ich sitzend ins Koma geflogen bin.
Es hat lange gedauert, noch lange haben wir die restlichen schönen Dinge der Kathedrale bewundert, so eine Wahnsinnig schöne Kathedrale, Also wirklich!
Aber irgendwie war ich die ganze Zeit hibbelig, es fiel mir schwer mich auch nur zwei Meter von der Jeanne-Ecke zu entfernen. Ich hatte diesen Drang zu schreien und mich auf die Erde zu werfen, bis mein Vater die magischen Worte „Samma, willste hier übernachten?!" sagte und mich einfach mal rauszerrte. Und so schaffte dieser tolle Mann es dann also doch, mich wieder aus diesem Gebäude zu ziehen!

Wieder draußen haben wir noch einen weiteren Souvenirladen ausgeräumt und machten uns dann langsam wieder auf den Rückweg, wie gesagt, es war Sonntag und wir müssen noch nach Köln.

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